Vielfalt

„Das geht so nicht.“

Verdutzt schaue ich ihn an und kann im ersten Moment nicht begreifen, was er mir jetzt eigentlich sagen will. Es dauert Sekunden, Minuten, die in völligem Schweigen verrinnen. In mir arbeitet es und aus Verblüffung wird Unverständnis und endlich auch Zorn. Mühsam quält sich meine erste Reaktion aus diffusem Empfinden ans Tageslicht.

„Wie? Das geht so nicht?“

Ich habe es kaum ausgesprochen, als ich auf mich selbst wütend werde. Wie komme ich dazu, auch noch nachzufragen, als wäre es dieses arrogante Statement wert, besprochen zu werden. Der fatale Eindruck, der durch meine Gegenfrage entstanden ist, bestätigt sich mir auch sofort. Wichtig macht er sich vor mir breit und holt aus.

„Das ist Blödsinn, was da steht. Das muss weg.“

Blödsinn, sagt er. Punkt. Sagt es, als wäre es eine unumstößliche Tatsache. Als wisse er kraft seiner Natur, was richtig und was falsch ist. Entschlossen ringe ich meine Wut angesichts dieser unverschämten Selbstherrlichkeit nieder, lehne mich betont entspannt zurück und betrachte ihn schweigend. Wieder vergeht geraume Zeit des Schweigens, in der er beginnt, doch ein wenig unruhig zu werden. Er scheint mit meiner merkwürdigen Gelassenheit ein wenig Probleme zu haben.

Als er jedoch versucht, seine Meinung in Stein zu meisseln, indem er meine Worte auf dem Papier eliminieren will, greife ich beherzt ein. Ich beuge mich vor, strecke meine Hand aus und bekomme, ihn zu fassen.

Es ertönt ein Mitleid erregendes, leises Knacken, als ich ihn in der Mitte auseinanderbreche. Endlich findet der Rotstift seine letzte Ruhe dort, wo er auch hingehört: im Mülleimer.

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